EVA testet Energiepflanzen

Setzen von Weiden- und Pappelstecklingen als KurzumtriebspflanzenEine weitere neue Maßnahme der EVA GmbH zur Nutzung erneuerbarer Energien ist ein Versuch, der weitreichende Folgen haben könnte. Im Zusammenhang mit der Entwicklung eines neuen Verwertungskonzepts will sich die EVA GmbH eingehend mit dem Anbau von Energiepflanzen in unserer Region auseinandersetzen.

2,6 Hektar Anbaufläche

Die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf (Mittelfranken) beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema Energiepflanzenanbau und haben dazu Felder mit verschiedenen Pflanzen angelegt. Ziel der Anbauversuche ist es, geeignete Energiepflanzen für bayerische Standorte zu finden und Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Standorteigenschaften für den Anbau bestimmter Kulturen gegeben sein müssen.

Der Leiter der Saatzucht in Triesdorf, Herbert Geißendörfer, zeigte Holger Poczka und Wilhelm Westenrieder von der EVA GmbH – beide sind ursprünglich ausgebildete Agraringenieure – bei einem Besuch die Parzellen und bewertete die verschiedenen Kulturen vor dem Hintergrund der Standortvoraussetzungen im Voralpenland.
Auf der Basis dieser Bewertungen hat die EVA GmbH mehrere Pflanzen für eine so genannte Kurzumtriebsplantage ausgewählt. Im Frühjahr 2011 wurden auf einer 2,6 Hektar großen Fläche auf dem Gelände der EVA GmbH Versuchsparzellen mit Energiepflanzen angelegt. Die Fläche wurde bisher landwirtschaftlich nicht genutzt; dazu ist die Bodenqualität zu schlecht. Das ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt bei dem Versuch: Können landwirtschaftlich schlechte / ungenutzte Böden in unserer Region für Energiepflanzen sinnvoll genutzt werden?

Pappeln, Weiden und krautige Pflanzen

Auf etwa 2,2 Hektar wurden so genannte Kurzumtriebspflanzen (KUP) gesetzt. Dabei handelt es sich um Pappel- und Weidenstecklinge, die ab einem Alter von vier bis sieben Jahren als Hackschnitzel geerntet werden können und danach ohne weiteres Zutun wieder von selbst am Stock austreiben. Die Virginiamalve (Sida hermaphrodita)Nach demselben Zeitraum kann man wieder ernten. Diese Pflanzen sind bereits weitgehend erprobt.
Darüber hinaus werden noch drei kleinere Flächen von je 0,1 ha mit mehrjährigen krautigen Pflanzen sowie eine vierte Fläche mit einer speziellen Grassorte belegt. Zum Einsatz kommen die Durchwachsene Silphie, eine gelbblühende Becherpflanze, die Virginiamalve Sida, eine hervorragende Bienenweide, der Knöterich Igniscum sowie das ungarische Steppengras Szarvasi. Die oberirdischen Pflanzenteile dieser Arten sterben über den Winter ab und verholzen, so dass man eine relativ trockene Häckselware erhält. Im Frühjahr treiben die krautigen Pflanzen wieder aus.

Die EVA GmbH möchte herausfinden, ob die krautigen Kulturen hinsichtlich Ertrag, Kosten und Vielseitigkeit in der späteren Verwendung eine Alternative zu KUP-Anpflanzungen darstellen.

Drei Bienenvölker bei der SilphieAußerdem soll überprüft werden, ob die Biomasse aus den Energiepflanzen eine gute Ergänzung zur heizwertreichen Fraktion aus dem Restabfall sein könnte, dieser Ersatzbrennstoff dadurch also „veredelt“ würde. Es wäre auch eine Zumischung zur gesammelten Biomasse wie Strauchgut oder Gras aus Privatgärten denkbar, um womöglich noch bessere Verwertungswege zu erschließen. Die EVA GmbH erfasst jährlich etwa 10.000 Tonnen Gartenabfälle.

Pflanzen wie die Silphie oder Sida zeichnen sich auch durch gute Siliereigenschaften aus; bei einer Vergärung ist die Methanausbeute laut den vorliegenden Informationen mit Mais vergleichbar. Wir werden Sie über die Fortschritte des Versuchs auf dem Laufenden halten. Beide Maßnahmen, sowohl die Verwendung von Grasschnitt in der Wielenbacher Biogasanlage als auch der Anbau von Energiepflanzen, könnten weitere Mosaiksteine bei der Klimawende im Oberland werden.